Behauptung, Vorurteil:
Der Erfolg misst sich an der Handelsbilanz - jährlich 200 bis 300 Milliarden Euro Überschuss!"
Gegendarstellung:
Aber gibt es die
sagenhaften Handelsbilanzüberschüsse
überhaupt? Deutschlands
hoher Leistungs- und Handesbilanzüberschuss scheint mir
äußerst suspekt. Schon wegen der Besteuerung kommt es zu
weitreichenden "Schummeleien" (weil bei Exporten
Mehrwertsteuererstattungen winken, während umgekehrt Importe
verzollt und versteuert werden müssen). Auf dieser Basis werden
Exporte gerne erfunden (die es gar nicht gibt) und Importe
kleingerechnet. Zu denken
gibt auch, dass der (vermeintliche) jährliche
Handelsbilanzüberschuss in Höhe von über 200
Milliarden Euro auf Dauer keine globalen Verwerfungen zeigt. Wo
bleibt das viele Geld - und vor allem, was hat die Bevölkerung
davon? Wegen der gigantischen Handelsbilanzüberschüsse
gilt Deutschland als Buhmann der EU bzw. der Welt, den man immer
wieder attackieren und in die Pflicht nehmen darf!
Aber: Wer dem hohen deutschen
Handelsbilanzüberschuss vertraut, der glaubt vermutlich auch
noch an den Weihnachtsmann oder meint, in unserem Land gäbe es
keine Schwarzarbeit (weil sie verboten ist). Falls es
tatsächlich einen hohen (und damit ungesunden) Handels- bzw.
Leistungsbilanzüberschuss geben sollte, könnte Deutschland
das Problem doch auf ganz elegante Art lösen: Man bräuchte
nur die Mehrwertsteuerbefreiung bei Exporten aufheben oder
verringern. Das würde eine echte Solidarität mit unseren
Nachbarländern beweisen und zudem noch unsere Staafsfinanzen
sanieren. Gleichzeitig wäre der Mehrwertsteuerbetrug
über Karussellgeschäfte damit weitgehend unterbunden.
Allein dieser Aspekt dürfte dem deutschen Fiskus etwa 40
Milliarden Euro jährlich einbringen (und für mehr
Gerechtigkeit im wirtschaftlichen Wettbewerb sorgen).
Im Übrigen: Falls es tatsächlich einen beachtlichen Handelsbilanzüberschuss gibt, wem nützt dieser am Ende? Verbleiben die Überschüsse bei deutschen Global Playern, die damit ihre Produktionsauslagerungen ins Ausland finanzieren? Oder bei den Aktionären dieser Konzerne im In- und Ausland? Das würde den innerdeutschen Geldkreislauf empfindlich stören und unberechenbar machen - auf Kosten den Gemeinwohls.
Impressum
© Manfred Julius Müller, Flensburg im April 2021
Anmerkung:
Der Sinn einzelner Thesen erschließt sich oft erst im
Zusammenhang mit anderen Artikeln des Autors. In einem einzelnen
Aufsatz können nicht jedesmal alle Hintergründe und
Grundsatzüberlegungen erneut eingeflochten werden.
Bücher
von Manfred Julius Müller
Das
Grundübel bei einem Kurswechsel (z. B. Wiederbelebung der
Zölle): Sowohl Politik als auch Bevölkerung denken nur an
die vordergründigen, kurzfristigen Veränderungen, die den
bisherigen Lebensstil beeinflussen könnten (z. B.
geschürte
Teuerungsängste).
Die positiven Folgewirkungen, die durchdachte Reformen erst im Laufe
der Jahre voll entfalten, werden kaum gesehen.