Translater:

"Schon 32 Millionen versicherungspflichtig Beschäftigte!"

Was haben wir doch für eine tolle Regierung! Monat für Monat werden in Deutschland neue Beschäftigungsrekorde gefeiert.

 

In Deutschland gibt es einen Bedarf von 45 Millionen versicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. Und 32,3 Millionen Menschen haben derzeit tatsächlich das große Glück, sozialversicherungspflichtig beschäftigt zu sein. Wobei aber leider viele von diesen Jobs saumäßig bezahlt werden und es sich dabei häufig nur um eine befristete Teilzeit handelt. Aber immerhin.

Weil "nur" 13 Millionen versicherungspflichtige Arbeitsplätze in Deutschland fehlen, wird das geduldige Fernsehvolk Monat für Monat mit neuen Jubelmeldungen vollgedröhnt. Die allmonatlichen Beschäftigungszahlen werden zelebriert wie ein unfassbarer Triumph. Gebetsmühlenartig heißt es, "Noch nie seit der Wiedervereinigung gab es so viele Beschäftigte wie heute!". Es fehlt nur noch, dass die Wunderzahlen mit einem großen Tusch und mit Trommelwirbel daherkommen. Aber so viel Propaganda wäre wohl sogar den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zu geschmacklos.

 

Warum steigen die Beschäftigungszahlen?
Diese Grundsatzfrage scheint keinen Nachrichtenaufbereiter und keinen Volksaufklärer wirklich zu interessieren. Das ist schon merkwürdig! Warum mag man nicht eingestehen, dass für den fragwürdigen Scheinerfolg vor allem die Zählweise und die Veränderung gesellschaftlicher Strukturen verantwortlich sind?

Vieles von dem, was früher in Eigenleistung erledigt wurde (also vor allem die Hausfrauenarbeit), wird heute von privaten und kommunalen Dienstleistern erledigt. Es wird zum Beispiel kaum noch täglich selbst gekocht - der gestresste Berufstätige holt sich etwas vom Bäcker, geht zum Imbiss oder ins Schnellrestaurant. Die Kindererziehung wird zum Teil ausgelagert in Kindergärten, Kitas, Ganztagsschulen, Fördermaßnahmen - und für den eigenen Haushalt engagiert man zunehmend Haushaltshilfen.

Der eigentliche Trick ist also: Die Hausfrau, die einst 70 Stunden die Woche ihre Familie versorgt hat, wurde nie als Beschäftigte angesehen. Und heute, da ein Großteil dieser Aufgaben in Kindergärten, Schulen, in die Gastronomie, Betreuungs-, Pflege-, Reinigungs-. Garten- und Winterdienste verlagert wird, ergibt sich aus dieser Umverteilung eine hohe Beschäftigungsrate. Weil die reine Hausfrauenarbeit früher statistisch nicht gewürdigt wurde, kommt es zum vermeintlichen Beschäftigungsboom. In Wahrheit aber gab es früher weit weniger Arbeitslose als heute.

Aber davon einmal ganz abgesehen: Ich halte es für geschmacklos, bei 13 Millionen fehlenden sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen Monat für Monat vermeintliche Beschäftigungsrekorde zu vermelden (ohne auf die näheren Umstände einzugehen). Wobei ja nicht einmal darauf hingewiesen, wird, dass die derzeitige Scheinkonjunktur durch eine hochriskante, marktwirtschaftliche Prinzipien untergrabende, Billiggeldschwemme erkauft wurde. Und auch jeder Hinweis fehlt, dass die hohe Zuwanderung eine Reihe zusätzlicher Arbeitsplätze generiert (Dolmetscher, Polizisten, Lehrer, Sozialarbeiter, Ärzte, Richter, Juristen usw.).

 

Eine herzliche Bitte: Sollte Ihnen dieser Artikel (http://www.politisches-lexikon.eu/beschaeftigungsrekorde.html) gefallen haben, empfehlen Sie ihn bitte weiter. Denn nur die allgemeine Aufklärung der Bevölkerung ebnet den Weg für notwendige Veränderungen. Es dankt Ihnen Manfred J. Müller

 

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© Manfred Julius Müller (unabhängiger, parteiloser Wirtschaftsanalyst und Zukunftsforscher). Erstveröffentlichung 2016

Manfred J. Müller analysiert seit 40 Jahren weltwirtschaftliche Abläufe. Er gilt als wegweisender Vordenker. So forderte er zum Beispiel schon vor 20 Jahren eine Art Lieferkettengesetz, das Hersteller und Händler verpflichtet, nur fair entlohnte und produzierte Waren nach Deutschland einzuführen (wurde endlich im Mai 2021 Gesetz). Außerdem empfahl er schon ewig eine Mindestgewinnsteuer für Großunternehmen auf im Inland angefallene Umsätze (Joe Bidens Vorschlag von einer globalen Mindestertragssteuer im Frühjahr 2021 zielt zwar endlich in die gleiche Richtung, ist aber viel zu lahm und wird sich international kaum umsetzen lassen). Seit drei Jahrzehnten kämpft Manfred J. Müller auch für seine Idee einer Lohnkostenreform (schrittweiser Abbau der Sozialversicherungsbeiträge bei einer Gegenfinanzierung über Mehrwertsteuern und Zölle).

 

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Vorurteile und Irrlehren sind in aller Munde. Um notwendige Reformen zu vermeiden, wird Wesentliches verschwiegen und schöngeredet. Dabei haben natürlich die seit 1980 sinkenden realen Nettolöhne und Renten einen triftigen Hintergrund, eine Ursache. Ebenso wie die Verzwanzigfachung der Arbeitslosenzahlen seit 1965.
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